Wenn wir anfangen, genau hinzuschauen, hat sich meistens schon etwas verändert. Damit du Veränderungen früher bemerkst, zeige ich dir drei einfache Wege: bewusst anfassen, Reaktionen lesen und das Verhalten beobachten. Du brauchst dafür nur deine Hände, deine Augen und ein paar Minuten Zeit.
Lieber schauen statt lesen?Das ganze Video auf YouTube ansehen, 13:38 MinutenBevor es losgehtMein Tipp vorweg: Fotos und Notizen
Mach dir Fotos und schreib dir Notizen in einen Kalender. Notiere vor allem, was du verändert hast: das Futter, den Spaziergang, eine Impfung. Reagiert dein Hund am nächsten Tag auf etwas, weisst du ein paar Wochen später oft nicht mehr, woher es kam. Mit deinen Notizen kannst du es nachverfolgen.
In meiner Hundebetreuung schere ich noch einen Lagotto, der seit Jahren zu mir kommt. Er ist inzwischen zwölf. Beim Scheren fühlte er sich an der Schulter irgendwie anders an. Erst nach der Schur sah ich es: ein richtig dicker Knubbel.
Ich habe es dem Besitzer am Abend gesagt, auch dass ich mir bei einem zwölfjährigen Hund Sorgen mache. Am nächsten Tag kam eine WhatsApp: Der Hund war am Tag davor geimpft worden, und der Knubbel soll beobachtet werden. Er hat sich mega bei mir bedankt.
Auch ich bin übrigens nicht vor Sorgen gefeit. Es sind unsere Lieblinge. Aber man kann die Sorgen besser managen, wenn man weiss, worauf man achten soll.
Weg 1Anfassen und fühlen
Du kannst mit deinen Händen viel mehr fühlen, als du glaubst. Fass deinen Hund bewusst an, nicht nur nebenbei beim Streicheln.

So gehst du vor
- Kopf bis Rute: Stirn, Kopf, Schulter, Rücken und wirklich auch die Rute abfahren.
- Hinten: Po, Hüfte, Knie, Sprunggelenk bis zur Pfote.
- Vorne: über die Schulter, Schulterblatt und Buggelenk bis zur Pfote.
- Unten: an den Beinen und am Bauch mit den Fingern hochfahren.
- Gern vergessen: Backen und Genick. Schau dir auch Zähne, Nase und Augen an.
Halte deinen Hund mit einer Hand und fahr mit der anderen drüber, mit Daumen, Zeigefinger und allen Fingern. Fahr auch mal mit dem Handrücken über den Rücken. So spürst du warme Stellen besonders gut.
Worauf du achtest
- Wärmere Stellen: Dort ist gerade etwas im Gang, etwa eine Verletzung, eine Spannung oder eine Entzündung. Was es genau ist, spielt erst mal keine Rolle. Notier dir, wo und wann es war, und teste zwei, drei Tage später nochmals.
- Hubbel, Schwellungen, kleine Verdickungen: Die werden schnell übersehen, vor allem am Bauch und am Ellbogen.
- Filz, Zecken, Krusten, Wunden: besonders zwischen den Vorder- und Hinterbeinen. Achtung, dort sitzen auch die Brustwarzen. Nicht mit einer Zecke verwechseln.
- Gerötete Haut und alles, was sich anders anfühlt als sonst.
Weg 2Reaktionen deuten
Es geht nicht darum, mit den Fingern eine Verknotung zu finden. Viel spannender ist, wie dein Hund auf deine Berührung reagiert. Und zwar mit wenig Druck. Du drückst nicht wie ein Hornochse, sondern ganz fein.

Boss hat Probleme mit der Hüfte. Sobald ich auf dem Sofa in Richtung Hüfte gehe, legt er sich mit der Hüfte an meine Hand oder direkt auf die Stelle, damit ich nicht mehr rankomme. Wo ihm eine leichte Massage guttut, drückt er sich dagegen richtig rein, nach dem Motto «da, da, da mag ich es».
Ich beende darum alles mit etwas Angenehmem. Meine Hunde kommen inzwischen von selbst und fordern es ein.
Weg 3Verhalten beobachten
Vieles siehst du im Alltag, wenn du auf die Sekunden davor achtest.

- Hält dein Hund vor der Treppe inne, bevor er hochsteigt?
- Zögert er vor dem Springen, beim Hoch- oder Runtergehen?
- Bleibt er oben einen Moment stehen, bevor er runtergeht? Und war das schon immer so, oder ist es neu?
- Braucht er zwei, drei Aufforderungen? Musst du ihn tragen, ist es meistens schon ausgeprägt.
- Nimmt er lieber die Rampe als die Treppe? Dann ist die Treppe wohl unangenehmer.
Wir haben hier eine ältere Hündin mit Leishmaniose und Ehrlichiose. Sie wartet extra, bis wir sie die Treppe hoch und runter tragen. Muskulär mag sie nicht mehr, vor allem abends nach dem Spaziergang. Man sieht richtig, wie ihr auf der Treppe die Kraft fehlt und sie immer langsamer wird.
ExtraPfoten, Krallen und Fellwirbel
Dieser Zusatz ist mir besonders wichtig. Schau dir auch Bauch, Po, Krallen und Pfoten genau an.

- Sind einzelne Krallen länger als andere? War das schon immer so?
- Sind die Krallen rechts und links unterschiedlich abgenutzt?
- Ist eine Kralle auffällig abgeschliffen, oder ist oberhalb der Pfote etwas abgeschliffen, weil der Hund schlurft?
- Sind Ballen oder Pfoten irgendwo verändert? Steckt etwas zwischen den Zehen?
Wusstest du, dass man Verspannungen auch an Fellwirbeln sehen kann? Wenn du Boss von hinten anschaust, siehst du im Licht an der Schulter einen richtigen Kranz, wo das Fell in eine ganz andere Richtung steht. Das kommt von seiner Hüfte. Mach davon ein Foto und einen Monat später nochmals eins. So siehst du, ob es sich verändert.
Das WichtigsteKenne das Normal deines Hundes
Am meisten bringt dir das alles, wenn du weisst, wie dein Hund normalerweise aussieht, sich anfühlt und reagiert. Fang am besten an, solange noch nichts ist. Fotografier, wie er normal dasteht und wie er normal die Treppe hochgeht.

Wir reden hier nicht davon, dass du deinen Hund von morgens bis abends beobachtest. Einmal im Monat oder einmal die Woche reicht. Kurz drüberfahren und eine kleine Notiz machen: «Diese Stelle ist ein bisschen wärmer als sonst.»
Nicht alles muss sofort etwas bedeuten. Aber wenn wirklich etwas ist, weisst du, wann es angefangen hat.
Interpretier noch nichts hinein. Nach einem Spaziergang mit viel Bewegung ist ein Muskel einfach mal wärmer, genau wie bei uns. Der Körper lebt. Wichtig ist, dass du es notierst.
Jetzt bist du dran
- Was hast du gefühlt? Eine Wärme, eine Verdickung, eine Kruste?
- Was hast du gesehen? Eine Reaktion, ein Zögern, Lecken oder Weggehen?
- Was ist dir neu aufgefallen, das du vorher noch nicht wusstest?
- Hast du es mit Datum notiert oder fotografiert?
Schreib mir gern, was du entdeckt hast. Ich bin richtig neugierig darauf.
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Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Bei akuten Beschwerden wende dich an deine Tierärztin oder deinen Tierarzt.
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