Fieber ist der Superturbo fürs Immunsystem. Der Körper dreht die Heizung absichtlich hoch, damit Erreger schlechter überleben. Meistens ist das sinnvoll. Ab einem bestimmten Punkt wird es aber gefährlich, und auch zu wenig Temperatur ist ein Alarmzeichen.
Lieber schauen statt lesen?Das ganze Video auf YouTube ansehen, 7:30 MinutenDer SuperturboWas Fieber ist: die Heizung im Kopf
Bei Fieber macht der Körper die Temperatur absichtlich höher. Damit sollen Erreger, also Bakterien, Viren oder Parasiten wie bei der Leishmaniose, schlechter überleben und sich nicht mehr vermehren können.
Stell dir vor, im Gehirn sitzt ein Thermostat. Diese Zellen bekommen ein Signal von entzündeten Stellen oder von Erregern. Dann heisst es: okay, Heizung hochdrehen. Der Hund zittert, rollt sich zusammen, die Blutgefässe ziehen sich zusammen. Alles, damit sich der Körper erwärmt.
Viele Erreger mögen genau 38 oder 39 Grad. Da vermehren sie sich am liebsten. Das Fieber macht es ihnen schwerer, und je nach Erreger sterben sie sogar ab.
Ab 42 Grad ist es lebensgefährlich. Dann beginnen sich die Eiweisse in den eigenen Zellen aufzulösen.
Das wird meiner Meinung nach viel zu wenig erwähnt. Zellen bestehen aus Eiweissen. Ab 42 Grad lösen sich diese Eiweisse auf, beim Menschen genauso wie beim Hund. Die Körperzellen beginnen abzusterben.
Woher es kommtWas Fieber auslöst

Fast immer steckt eine Entzündung oder eine Infektion dahinter. Es kann auch eine Immunreaktion sein.
- Viren und Bakterien: zum Beispiel eine Erkältung oder eine Lungenentzündung.
- Parasiten: zum Beispiel Leishmanien oder Babesien.
- Entzündungen: im Darm, an den Nieren, an den Gelenken.
- Stress: Der Körper gerät in Erregung. Das ist ein Stoffwechselzustand.
- Impfung: Der Körper kämpft einen Moment lang gegen das, was geimpft wurde.
- Vergiftung
Untertemperatur ist auch ein Problem
Nicht nur zu viel Temperatur ist gefährlich. Ist sie zu tief, geht es Richtung Schock oder Kreislaufversagen, weil die Blutgefässe nicht mehr richtig arbeiten. Das kommt meistens zusammen mit einem Kollaps.
HinschauenWoran du Fieber erkennst
Diese Anzeichen kannst du meistens selbst sehen:
Rot, Gelb, GrünNotfall oder nicht?

- Normal: 37,5 bis 38,5 Grad in Ruhe. Nach Bewegung sind bis 39,5 Grad möglich. Bewegung musst du immer mit einrechnen, genau wie beim Hecheln.
- Beobachten: 39,5 Grad im Ruhezustand. Nachmessen und beobachten. Hält das Fieber mehr als einen halben Tag an, gehe ich zum Tierarzt und lasse es abklären.
- Sofort: ab 40 Grad im Ruhezustand. Und unter 37,5 Grad, dann geht es Richtung Schock.
Bei Leishmaniose und anderen Vektorerkrankungen
Hat dein Hund Leishmaniose, Anaplasmose oder eine andere Vektorerkrankung, kann es sein, dass er bis zu 24 Stunden Fieber hat. Da würde ich beobachten. Wird es nicht besser und dauert es mehr als 24 Stunden, gehört der Hund in jedem Fall zum Tierarzt.
In der Zwischenzeit kannst du ihm helfen, ohne ihn komplett runterzukühlen:
- Stell die Pfoten in handwarmes Wasser. Das ist kühler als die Körpertemperatur und fährt sie schon etwas runter.
- Oder leg kühle Tücher auf die Pfoten. Nur auf die Pfoten, nicht auf den ganzen Körper.
Die Pfoten sind gut durchblutet. Legst du dort ein kühlendes Tuch auf, verteilt sich das über das Blut im ganzen System.
Mein AppellLass dich nie abstempeln
Meine Hündin hatte einmal 40 Grad Fieber. Damals wusste ich noch nicht, dass sie Leishmaniose und Ehrlichiose hat. Mein Tierarzt meinte, das sei nichts Schlimmes, ich hätte gut bis zum nächsten Morgen warten können.
Nein. Es ist mir egal, ob der Tierarzt danach findet, das sei kein Problem gewesen. Meine Hündin war komplett apathisch und lag nur noch herum. Für mich war das eine Situation, in der ich zum Tierarzt musste. Damals hatte ich das Gefühl, ich sei eine Hypochonderin.
Heute sage ich dir ganz klar: Lass dir nie etwas einreden. Wenn dein Bauchgefühl sagt, du gehst zum Tierarzt, dann geh zum Tierarzt. Lass dich nie als Hypochonderin oder als Helikopter-Mami abstempeln.
Unsere Hunde brauchen sehr, sehr lange, bis sie uns überhaupt zeigen, dass sie ein Problem haben. Ein Hund von mir hat es geschafft, anderthalb Jahre mit einem praktisch kompletten Nierenversagen zu leben, bis sie aufgegeben hat. Anderthalb Jahre. Ich weiss nicht, wie ihre Schmerzen und Probleme in dieser Zeit waren. Ich denke mal, übel.
PraxisSo misst du die Temperatur

1. Mit der Hand fühlen
Fang an, deinen Hund regelmässig bewusst abzutasten: Ohren, Pfoten, Bauch. Du streichelst ihn ja sowieso. Leg einfach mal bewusst die Hand auf und denk dir: So warm ist mein Hund normalerweise. Machst du das regelmässig, kannst du mit der Zeit ganz genau sagen, ob er wärmer ist als sonst. Achtung: Wenn du massierst, wird der Hund automatisch wärmer.
Gut geht es auch am Bauch, da haben Hunde am wenigsten Haare. Legt sich dein Hund gern auf den Rücken, halt immer mal wieder die Hand auf den Bauch und schau dir die Haut dort an. Hat sie verschiedene Farben oder Punkte, beobachte das.
2. Rektal messen
Zusätzlich kannst du rektal messen, also im Po. Ich würde ein normales Fieberthermometer nehmen, mit etwas Vaseline oder, mein Favorit, Kokosöl. Wichtig ist, dass dein Hund nach der Bewegung wieder runtergefahren ist. Auf der Folie steht 30 Minuten. Ich würde sogar eine Stunde warten, und wenn er richtig herumgerannt ist, noch länger.
Ein Video vom Messen habe ich übrigens nicht gemacht. Das mögen meine Hunde natürlich nicht so.
Fieber-Check
- ab 40 Grad im Ruhezustand
- unter 37,5 Grad, Richtung Schock
- Fieber über einen halben Tag, bei Leishmaniose oder anderen Vektorerkrankungen über 24 Stunden
- rote Pünktchen an Körperstellen: abklären und Blutwerte nehmen lassen, das kann verschiedene Ursachen haben
- dein Bauchgefühl sagt, es stimmt etwas nicht
Und lass dich davon nie abhalten.
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Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Bei akuten Beschwerden wende dich an deine Tierärztin oder deinen Tierarzt.
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