Stell dir vor, ein Bauer schmeisst dir einen riesigen Misthaufen direkt vors Wohnzimmerfenster. Kämst du auf die glorreiche Idee, einfach eine Plane drüberzulegen, weil es so stinkt, und es dann dabei zu belassen? So ungefähr funktioniert Kortison, wenn niemand nach der Ursache sucht.
Lieber schauen statt lesen?Das ganze Video auf YouTube ansehenDie MetapherDie Plane über dem Misthaufen
Die Plane ist das Kortison. Du deckst sie drüber, und dann stinkt es vielleicht ein bisschen weniger. Aber der Mist ist noch da. Er sickert vielleicht in den Boden und verseucht dein Trinkwasser.
Das Problem löst du erst, wenn du den Bauern suchst, der dafür verantwortlich ist. Du sagst ihm: «Dieser Misthaufen gehört hier schlichtweg nicht hin.» Du gibst ihm den metaphorischen Arschtritt, er räumt den Mist weg, und dann kannst du die Plane wieder zusammenpacken.
Natürlich darfst du die Plane für einen halben Tag oder einen Tag drüberlegen. Wir wollen die Symptome lindern, weil das Tier darunter leidet, während wir suchen, wo das Problem liegt. Aber wenn wir langfristig einfach nur Kortison draufschmeissen, trägt das Tier Folgeschäden davon.
Kortison darf die Schmerzen lindern, während du die Ursache suchst. Es ersetzt die Suche nicht.
Meine FrageWann ist das eigentlich normal geworden?
Wann ist es normal geworden, dass man bei jedem Problem zum Tierarzt geht und einfach Kortison mitbekommt? Als Spritze oder als Tablette, zum Teil für bis zu 14 Tage. Bei Durchfall, bei Erbrechen, bei Ohrenentzündungen, bei Allergien, sogar bei Gelenkschmerzen.
Ich finde das fragwürdig. Vor allem, wenn ich in Foren lese, dass weder ein Blutbild gemacht noch nach der Ursache geforscht wurde. Oder es wurden nur die offensichtlichsten Dinge untersucht, man fand nicht sofort etwas, und dann gab es eben Kortison.
Ein Schritt zurückWas Cortisol im Körper macht
Um zu verstehen, warum das schwierig ist, muss ich vorne anfangen. Stell dir vor, du läufst über einen Feldweg, und plötzlich steht ein T-Rex vor dir.
Dein Körper geht in den Notfallmodus, bevor du überhaupt nachdenkst. Du studierst nicht, ob du jetzt wegrennst. Der Körper reagiert einfach. Genau das passiert übrigens auch bei unseren reaktiven Hunden. Die schalten das Hirn nicht ein, das Nervensystem reagiert autonom.
Was ist in diesem Moment unwichtig? Die Verdauung. Wenn wir gleich gefressen werden, ist es egal, ob die Zellen gefüttert werden. Also werden Magen, Darm und Nieren weniger durchblutet. Herz und Lunge bekommen am meisten, damit wir so schnell wie möglich wegkommen.
Gesteuert wird das von Cortisol, unserem körpereigenen Stresshormon. Es sagt dem Körper: «Schnell hoch, gib Gas, renn weg.» Wenn das einmal passiert, ist es kein Problem. Kortison ist dagegen die künstlich im Labor hergestellte Variante, die wir von aussen geben.
Die FolgeschädenWas langfristiges Kortison anrichtet
Unsere Tiere stehen heute sowieso oft im Dauerstress. Wenn wir dann zusätzlich regelmässig Kortison reinschmeissen, passiert Folgendes:
Das ist beim Hund genau gleich wie bei uns Menschen.
Und bei Leishmaniose gebe ich kein Kortison. Es drosselt genau das Immunsystem, das der Hund im Kampf gegen die Leishmanien so dringend braucht.
Was du tun kannstMein Appell: Such die Ursache
Hat dein Hund zum Beispiel eine Ohrenentzündung, dann lass einen Abstrich machen. Mit einem Antibiogramm siehst du, welche Medikamente wirklich dagegen wirken. Es gibt auch Aromatogramme, die zeigen, welche Aromatherapie gegen die Erreger hilft.
Das ist viele Jahre her. Mein Riesenschnauzer hatte immer wieder entzündete Ohren. Ich habe gezupft, gepflegt, alles gemacht. Mein Tierarzt wusste irgendwann nicht mehr weiter und hat mich zum Spezialisten geschickt.
Dort hat man herausgefunden, dass eine Granne im Ohr steckte. Sie wurde entfernt, aber das Ohrmilieu war schon in Schwierigkeiten. Also wurde ein Aromatogramm gemacht. Mit ein bisschen Kortison, damit die Schmerzen weggehen, und dem, was das Aromatogramm ergeben hat, haben wir es in den Griff gekriegt. Das finde ich absolut legitim. Er hatte nie wieder Ohrenprobleme. Und ich weiss seither, dass ich die Ohren meiner Hunde nach dem Spaziergang anschauen muss.
Das solltest du fragen
- Wurde ein Blutbild gemacht?
- Wurde ein Abstrich gemacht, wo es passt, zum Beispiel am Ohr?
- Wird gleichzeitig nach der Ursache gesucht, oder nur das Symptom zugedeckt?
- Wie lange soll das Kortison gegeben werden, und warum so lange?
Sagt man dir, du sollst einfach Kortison geben, ohne dass eine Ursachensuche startet, dann wehr dich. Lass ein Blutbild machen, schau genauer hin. Such die Ursache und lös die Ursache.
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Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Bei akuten Beschwerden wende dich an deine Tierärztin oder deinen Tierarzt.
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