Weisst du, was Stellreflexe sind? Mit einem ganz einfachen Pfotentest kannst du prüfen, ob das Signal vom Kopf bis ganz unten in die Pfote ankommt. Dafür schauen wir uns das Nervensystem als Elektrizitätswerk der Stadt an. Und am Schluss begegnet uns im Wald noch ein T-Rex.
Lieber schauen statt lesen?Das ganze Video auf YouTube ansehen, 13:10 MinutenGrundlagenWas ist ein Reflex?
Ein Reflex ist eine automatische Ausführung des Körpers. Fasst jemand schnell Richtung Auge, schliesst sich das Auge. Das ist ein Reflex. Das sind unsere Nerven, die uns schützen. Einen Teil der Reflexe kennst du sicher, zum Beispiel den Patellarsehnenreflex: Man haut aufs Knie, um zu schauen, ob der Nerv dort funktioniert.
Reflexe gehören zum Nervensystem. Mit den Stellreflexen haben wir eine Möglichkeit zu testen, ob das Nervensystem deines Hundes funktioniert.

Das Bild dazuNerven als Stromleitungen der Stadt
Die Nerven sind wie kleine Stromleitungen. Stell dir die Stadt mit ganz vielen Lampen vor, überall Strassenlaternen, alle mit Kabeln verbunden. Fällt eine Strassenlampe aus, fallen in der Regel viele andere auch aus, weil sie miteinander verbunden sind. Beim Hund ist das genauso.
Das Elektrizitätswerk ist der Kopf. Von dort gehen die Nervenbahnen über die Wirbelsäule zu jedem Haus und zu jeder Strassenlampe. Fällt das Elektrizitätswerk aus, fällt die ganze Elektrik in der Stadt aus.
Stimmt irgendwo im Werk oder in der Leitung etwas nicht, kommt das Signal am Ende nicht an. Dann funktionieren die automatischen Reflexe nicht mehr. Fällt ein Teil aus, muss man zuerst herausfinden, woher es kommt.
Kopf oder Rücken?Was eine Abweichung auslöst

Bei den Stellreflexen geht es um die Pfoten. Kommt es zu einer Abweichung, gibt es zwei Varianten: Entweder kommt es vom Kopf oder vom Rücken.
- Vom Kopf: eine Beteiligung des Gehirns. Zum Beispiel das Kleinhirn, das direkt beim Übergang vom Kopf zur Wirbelsäule liegt. Es steuert die Feinmotorik. Wenn du mit den Fingern einen Stift aufnimmst, sorgt es dafür, dass du nicht zitterst wie Espenlaub.
- Vom Rücken: Probleme im Rückenmark. Dazu gehört für mich auch der Bandscheibenvorfall.
Beim Pfotentest prüfen wir vor allem, ob die Nervenbahnen in der Wirbelsäule ihr Signal bis zum Ende senden. Und die gute Nachricht: Nerven können sich super regenerieren, wenn man frühzeitig dran ist.
Der PfotentestSo testest du den Stellreflex
Du kippst die Pfote deines Hundes um und legst sie verkehrt auf den Boden, also mit der Oberseite nach unten. Ein gesunder Hund dreht die Pfote sofort zurück. Schon wenn die Pfote nur aufliegt, will er den Fuss wieder richtig hinstellen. Das ist ein Stellreflex.

Lässt er die Pfote mit der Oberseite liegen und bleibt einfach so, hat er irgendwo ein Problem. Ein Nervenproblem, irgendwo im Rücken, im Knie, irgendwo klemmt es. Funktioniert es an der Pfote nicht, liegt das Problem weiter oben. Kommt die Pfote zwar zurück, aber nicht sofort, ist das ein verzögerter Stellreflex.
Du kannst das bei allen vier Beinen ausprobieren.
Ich habe eine Hündin, die sehr gerne schlurft. Ich habe bei ihr die Stellreflexe getestet. Die sind völlig normal. Und trotzdem schlurft dieser Hund seit Jahren.
Was tun?Notfall oder abklären?

Ist der Stellreflex verzögert, würde ich ihn sogar beim Physiotherapeuten, beim Chiropraktiker oder per MRT oder Röntgen anschauen lassen, um zu sehen, wo das Problem liegt. Ein guter Physiotherapeut oder Osteopath ist dafür ausgebildet, zu testen, woher die Schwierigkeiten kommen. Sieht man im Röntgen nichts, braucht es andere Tests.
Noch ein NervensystemDas zweite Nervensystem
Die Stellreflexe, das Spazieren, Joggen, etwas Greifen: Alles, was Muskeln und Knochenbewegungen sind, kann ein Hund bewusst steuern. Das läuft über das normale Nervensystem mit dem Rückenmark.
Es gibt aber noch einen zweiten Teil, den wir nicht bewusst steuern können: das autonome Nervensystem. Es entscheidet selber, wie der Körper reagiert. Es macht zum Beispiel, dass unser Herz schlägt und unsere Organe funktionieren.
Der T-Rex im Wald
Stell dir vor, du läufst durch den Wald, und um die Ecke kommt dir ein Tyrannosaurus Rex entgegen. Dein Herz rast vor Schreck. Das ist der Sympathikus, unser Fight-, Flight- und Freeze-Nerv. Schaltet er ein, gibt es nur noch Panik und Reaktion. Wir fliehen, wir kämpfen, oder wir erstarren und tun gar nichts mehr. Viele Hunde geraten übrigens in eine Schockstarre.
Reaktive Hunde können oft nicht anders. Für sie kommt da ein Dinosaurier, und ihr Körper reagiert einfach.
Der Gegenspieler ist der Parasympathikus, unser Ruhenerv. Er macht die Verdauung, fährt den Körper wieder runter und sorgt dafür, dass wir versorgt sind und die Organe in Ruhe ihren Job machen.
Die Stadt im Kampfmodus
Sympathikus und Parasympathikus sind immer eine Waage. Stell dir vor, die Stadt wird von aussen angegriffen. Dann ist der Sympathikus dran, und der Parasympathikus hat nichts zu sagen. Er fährt runter, weil im Moment der Kampf wichtig ist. Die Bauern, die sonst auf den Feldern für unsere Nahrung sorgen, ziehen in den Kampf.
Das Problem: Geht der Kampf zu lange, zum Beispiel weil ein Erreger eindringen will, kann niemand mehr die Felder bestellen. Die Felder sind zum Teil schon kaputt, und die Leute, die sie bestellen würden, kämpfen. Irgendwann wird das Essen knapp.
Im Körper ist das genauso. Bei einer Infektion wie der Leishmaniose arbeitet der Sympathikus öfter. Deshalb gibt es zum Teil auch Darmprobleme. Denn der Parasympathikus ist ein Hauptnerv für den Darm und sagt ihm: «Fahr runter, verarbeite alles in Ruhe und mach deine Arbeit.» Sind die Arbeiter im Darm lahmgelegt, weil der Körper kämpft, hat er Schwierigkeiten, sich zu versorgen. Und Stress ist auch Sympathikus. Darum müssen Stress und Versorgung immer ausgeglichen sein.
Teste es selbst
- Leg jede der vier Pfoten einmal verkehrt auf den Boden. Dreht dein Hund sie sofort zurück?
- Ist es verzögert oder nur auf einer Seite? Dann lass es abklären.
- Keine Reaktion auf beiden Seiten, dazu Apathie oder Kollaps? Sofort zum Tierarzt.
- Und für dich: Wann spürst du deinen Sympathikus? Bei einem Telefonanruf, bei einer Situation, in der dein Hund auslöst, und du merkst schon beim Spazieren, wie sich dein Körper anspannt?
Wenn dein Hund auf etwas reagiert, kann es sein, dass er gerade nicht anders kann.
Mehr Erklärvideos auf YouTube
Abonniere meinen YouTube-Kanal, dann verpasst du kein neues Video. Und wenn du bei deinem Tier nicht weiterkommst, schauen wir es uns gemeinsam an.
Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Bei akuten Beschwerden wende dich an deine Tierärztin oder deinen Tierarzt.
← Alle Beiträge
