In unserer Gesellschaft ist Stress fast ein Schimpfwort. Dabei brauchen wir ihn, und dein Hund auch. Problematisch wird es erst, wenn der Stress nie mehr aufhört. Dann fährt der Körper genau das runter, was er zum Gesundbleiben bräuchte.
Lieber schauen statt lesen?Das ganze Video auf YouTube ansehenErst mal klärenStress ist dein Wecker
Stress ist per se nichts Schlechtes. Er weckt uns zum Beispiel am Morgen. Cortisol, das körpereigene Stresshormon, gibt dem Körper einen Schub. Dann ist das Gehirn aktiv, und wir sind wach.
Ohne Cortisol gibt es kein Erwachen am Morgen. Wir kommen schlichtweg nicht in Gang. Ohne Cortisol kann man sogar sterben. Stress als Grundfunktion ist also etwas ganz, ganz Wichtiges.
Die MetapherDer T-Rex auf dem Feldweg
Stell dir vor, du spazierst mit deinem Hund einen wunderschönen Feldweg entlang, und plötzlich springt dir ein Tyrannosaurus Rex in den Weg. Dein Hirn sagt dann nicht zuerst: «Was tue ich jetzt?» Dein Körper reagiert, sobald er die Gefahr erkennt. Das hat sich evolutionsbiologisch seit Jahrtausenden bewährt.
- Der Körper schüttet Adrenalin und Noradrenalin aus. Das löst eine sofortige Alarmbereitschaft aus.
- Cortisol stellt Energiereserven bereit.
- Das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt, die Muskeln werden besser durchblutet.
- Du hast die besseren Chancen zu kämpfen oder wegzurennen. Ganz doof ist es, wenn du ins Freeze gerätst, also erstarrst.
Gleichzeitig wird alles gedrosselt, was in diesem Moment nicht überlebenswichtig ist: die Verdauung, die Fortpflanzung und das Immunsystem. Wenn ein T-Rex vor dir steht, ist eine Infektion egal. Mit einer Metapher gesagt: Der Körper kämpft gegen nichts mehr und füttert sich nicht mehr. Auch der Darm steht still.
Wichtig ist der Unterschied: Cortisol ist das körpereigene Stresshormon. Kortison ist das künstlich hergestellte Mittel, das man gibt, wenn etwas aufhören oder unterdrückt werden soll.
Der KnackpunktWann Stress zum Problem wird
In einem gesunden Rhythmus steigt das Cortisol an, zum Beispiel bei einer kleinen Infektion. Der Körper bringt Leistung, bekämpft die Infektion, und danach sinkt das Cortisol wieder. Anspannung, Erholung, Anspannung, Erholung.
Bei chronischem Stress, also dauerhaft erhöhtem Stress ohne Erholung, zehrt der Körper aus. Das hat systemische Folgen:
Das ist bei unserem Hund genau dasselbe wie bei uns Menschen. Ein Tier, das dauernd unter Stress steht, kann zum Beispiel auch Probleme mit der Fruchtbarkeit bekommen, weil die Fortpflanzung gedrosselt wird.
Im AlltagStressquellen beim Hund
Chronische Stressquellen sind zum Beispiel:
- Dauerlärm ohne Rückzugsmöglichkeit: etwa eine Familie mit kleinen Kindern, und der Hund muss immer im gleichen Raum sein und will alles kontrollieren.
- Sozialer Druck: ein Mehrhundehaushalt ohne Ruhe.
- Lange Transporte, Klinikaufenthalte, Trennungen.
Ich sehe das selbst mit sechs Hunden. Im Mehrhundehaushalt muss man darauf achten, dass man zwischendurch sagt: «So, jetzt ist Ruhe, jetzt wird geschlafen.» Normalerweise schläft ein Hund um die 20 Stunden, damit er wirklich runterfährt.
Aber Moment: Das heisst nicht, dass dein Hund nie Lärm, sozialen Druck oder einen langen Transport erleben darf. Das Leben ist nun mal so, wir haben zwischendurch Stress. Er darf nur nicht dauerhaft sein. Der Hund muss irgendwann runterfahren können.
Kälte und Hitze
Dazu kommen saisonale Belastungen, gerade beim Leishmaniose-Hund, dessen Nieren Schwierigkeiten machen können. Bei Kälte muss der Körper aktiv gegenregulieren, und das kostet Energie. Bei Hitze kann der Kreislauf Probleme machen bis zum Kollaps, weil der Körper zu viel Temperatur hat, der Hund dehydriert und die Nieren zu stark belastet werden.
Was du tun kannst
- Rückzugsort schaffen: einen sicheren, ruhigen Platz.
- Im Winter: Mantel, warmer Liegeplatz oder warmer Raum, je nachdem, was dein Hund mag. Wichtig ist, dass Bauch und Nieren geschützt sind. Hat dein Hund Gelenkbeschwerden, schütz auch den Hals.
- Im Sommer: kein Mittagsspaziergang bei 35 Grad. Vor allem einen kranken Hund ein bisschen schonen.
- Routine: Ein aktiver Hund mit einer stabilen Routine ist besser aufgestellt als ein überbehüteter Hund.
Es geht nicht darum, jede Stressquelle auszumerzen. Es geht darum, dass dein Hund wieder runterfahren kann.
SpeziellStress und Leishmaniose
Bei Leishmaniose steht das Immunsystem sowieso unter chronischem Stress. Es kämpft über die Makrophagen die ganze Zeit gegen die Leishmanien.
Hat der Hund nun zusätzlich längere Zeit Stress, zum Beispiel durch einen Klinikaufenthalt, steigt das Cortisol, und das Immunsystem wird gedrosselt. Die Makrophagen können nicht mehr genug kämpfen. Das Gleichgewicht gerät aus der Balance, und es kann einen Schub geben, zum Beispiel mit Gelenkentzündungen.
Genau darum soll man bei Leishmaniose kein Kortison geben. Es setzt das Immunsystem, das der Hund jetzt so dringend braucht, zusätzlich in den Sparmodus.
Stress im Griff
- Stress ist nötig. Schädlich ist Dauerstress ohne Erholung.
- Achte auf Ruhephasen, besonders mit mehreren Hunden.
- Schütz Bauch und Nieren vor Kälte, schone deinen Hund bei Hitze.
- Bei Leishmaniose: kein Kortison, und Stress so gut es geht abfedern.
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Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Bei akuten Beschwerden wende dich an deine Tierärztin oder deinen Tierarzt.
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