Leishmaniose ist kein einmaliges Ereignis, sondern ein Kreislauf. Er läuft immer und immer wieder ab, und genau darum wird es mit der Zeit immer akuter. Hier siehst du, wie dieser Kreislauf funktioniert und warum am Schluss ausgerechnet die Niere leidet, obwohl die Leishmanien dort gar nicht hinwollen.
Lieber schauen statt lesen?Das ganze Video auf YouTube ansehenDer AnfangVom Stich zur Abwehr
Am Anfang steht der Stich der Sandmücke. Sie bringt die Leishmanien, auch Leishmania infantum genannt, in die Haut des Hundes. Die Leishmanie ist ein Parasit und schwimmt dann im Gewebe.
Die Abwehr reagiert. Die Makrophagen, also die Fresszellen, erkennen die Eindringlinge und greifen an. Normalerweise würden sie die Parasiten verschlingen und in ihrem Inneren bekämpfen. Damit wäre die Sache erledigt.
Der TrickHotel und Taxi
Bei der Leishmaniose dreht der Parasit den Spiess um. Die Leishmanie sagt sich: «Ich lasse mich fressen und nutze dich gleichzeitig als Hotel.» Sie überlebt in der Fresszelle und beginnt sich dort zu vermehren.
Gleichzeitig ist die Fresszelle ihr Taxi. Über Blut und Lymphe fährt sie die Leishmanien zu den Abwehrorganen. Die Abwehr des Hundes wird also selbst zum Wirt.
- Die Sandmücke sticht, die Leishmanien gelangen in die Haut.
- Die Makrophagen fressen die Leishmanien.
- Die Leishmanien überleben und vermehren sich in der Fresszelle.
- Die Fresszelle trägt sie zu den Abwehrorganen.
- Irgendwann wird es in der Fresszelle zu eng, und sie stirbt.
- Die Leishmanien werden wieder ins Blut freigegeben, und alles beginnt von vorne.
Zu Punkt 5: Man sagt oft, die Zelle platzt. Das ist etwas zu bildlich. Eigentlich löst sich der Rand der Zelle einfach auf. Das passiert übrigens in allen Organen.
Je mehr das Immunsystem kämpft, desto mehr Wirte liefert es.
Das ist das grosse Problem: Die Leishmanien vermehren sich immer weiter, und das Immunsystem versucht permanent, sie abzuwehren. Aber jede neue Fresszelle ist auch ein neues Hotel.
Die FolgenWelche Organe leiden
Die Fresszellen bringen die Leishmanien zu den Abwehrorganen. Dort arbeiten Milz, Leber und Knochenmark auf Hochtouren, und es entsteht eine chronische Entzündung.
Die indirekte FolgeWarum die Niere leidet
Die Niere selbst ist grundsätzlich nicht das Ziel der Leishmanien. Dort gibt es grösstenteils keine Makrophagen, in denen sie sich einnisten könnten.
Das Problem sind die Abfallstoffe. Die Abwehr produziert Abwehrprodukte, und auch die Überreste der Fresszellen müssen über die Niere entsorgt werden. Irgendwann ist die Niere überlastet.
Stell dir einen Filter vor. Ein bisschen Sand lässt sich noch durchspülen. Schmeisst du aber einen ganzen Sandklotz hinein, ist es egal, wie klein die Körnchen sind. Es verstopft. Und je grösser die Partikel, desto schneller.
Die Nierenschädigung ist also eine indirekte Folge der chronischen, also langfristigen Immunreaktion. Nicht die Infektion trifft die Niere zuerst, sondern das, was der Dauerkampf hinterlässt. Wie du die Niere im Blutbild im Blick behältst, erkläre ich in einem eigenen Artikel zu den Nierenwerten.
Der AnsatzWas das für die Behandlung heisst
Weil der Kreislauf immer wieder von vorne beginnt, stellt sich immer die Frage: Wann beginnen wir mit der Behandlung, und womit?
Die Grundidee ist, das Immunsystem so zu stützen und die Organe so zu schützen, dass sie dagegen ankommen und die Leishmanien nicht immer mehr werden. Einen Teil schafft das Immunsystem zu bekämpfen. Aber eben nicht alle. Und das ist die Schwierigkeit.
Der Kreislauf in drei Sätzen
- Die Leishmanien nutzen die Fresszellen als Hotel und Taxi.
- Milz, Leber, Lymphknoten, Knochenmark und Haut tragen die Hauptlast der Infektion.
- Die Niere leidet indirekt, weil sie den Abfall des Dauerkampfs filtern muss.
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Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Bei akuten Beschwerden wende dich an deine Tierärztin oder deinen Tierarzt.
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